Jakob Maria Mierscheid
(* 1. März 1933 in Morbach, Rheinland-Pfalz) ist ein fiktiver deutscher Politiker (SPD) und seit 1979 Mitglied des Deutschen Bundestages.

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Jakob_Maria_Mierscheid

Hintergrund
Mierscheid wurde im Dezember 1979 von den beiden SPD-Bundestagsabgeordneten Peter Würtz und Karl Haehser erschaffen. Bei einem Aufenthalt im Restaurant des Bonner Bundeshauses rufen sie den fiktiven Politiker ins Leben, um auf diese Weise in Ehren des zuvor gestorbenen ehemaligen SPD-Abgeordneten und Staatsrechtlers Carlo Schmid jenem einen Nachfolger zu erschaffen. Damit verfolgen sie die Absicht, „die Abgeordneten von Zeit zu Zeit an das wahre Leben zu erinnern, was durchaus auch mal lustig sein darf.“
Zunächst wird Mierscheid als 44-jähriger Schneider aus dem Hunsrück dargestellt (demnach war er anfangs Jahrgang 1935). Andere SPD-Politiker beteiligen sich in der Folgezeit an der „Pflege“ des Phantoms: Vom damaligen Staatssekretär im Bundes-Bauministerium, Dietrich Sperling, wurde Mierscheids bis heute gültiges Geburtsdatum übernommen; Sperling übernahm zudem den Schriftwechsel im Namen des fiktiven Politikers. Diese Rolle übernahm schließlich Friedhelm Wollner, der technische Leiter der SPD-Bundestagsfraktion, der bis heute für die Außendarstellung und angebliche Äußerungen Mierscheids verantwortlich ist.

Die fiktive Figur Mierscheid
Mierscheid ist der Archetyp des Hinterbänklers. Er findet sich in zahlreichen Personenverzeichnissen, aber auch in manchen offiziellen Veröffentlichungen des Deutschen Bundestages wieder. Dem Bundestag gehört er seit dem 11. Dezember 1979 an. Das Bild, das Mierscheid zeigt, ist identisch mit dem Karl Ranseiers – modernisiert mit einer aufgemalten Brille.
So bot der Webserver des Bundestages eine Selbstbeschreibung Mierscheids zum Herunterladen an, in der es hieß:
„Ich bin weder eine Erfindung, noch ein Patent, ich bin die Lösung. […] Wie der Verfassungsjurist Friedrich Nagelmann und der Berufsdiplomat Edmund F. Dräcker, meine Kollegen bei der Judikative und bei der Exekutive, mit denen ich gern zusammenarbeite, gehöre ich zu den Säulen unseres Staatswesens.“
Auch Nagelmann und Dräcker sind fiktive Personen. Kollege des Herrn Mierscheid ist ferner Karl Laupach (Bremische Bürgerschaft).
Mierscheids Geburt wird auf den 1. März 1933 in Morbach/Hunsrück datiert. Mierscheid ist angeblich katholisch, verwitwet, Mitglied der SPD, Mitglied der Gewerkschaft Landwirtschaft und Forsten und des Kleintierzüchtervereins Morbach. 1981 und 1982 war er stellvertretender Vorsitzender des Mittelstandsausschusses.
1983 wurde im Vorwärts das sogenannte Mierscheid-Gesetz vorgestellt. Eine der Veröffentlichungen ist ein Beitrag zum 3. Höchster Steinlaus-Symposium, XII (3), Frankfurt am Main, aus dem Jahre 1993. Das spezifische Mierscheid-Gesetz wurde 2006 vom Statistischen Landesamt Baden-Württemberg zum Mierscheid-Walla-Gesetz verallgemeinert.
Die Schwerpunkte seiner angeblichen politischen Arbeit sind neben allgemeinen Sozialfragen und Problemen der Berufsausbildung vor allem die Aufzucht und Pflege der geringelten Haubentaube in Mitteleuropa und anderswo sowie Untersuchungen des Nord-Süd-Gefälles in Deutschland. Eine seiner jüngsten Aktivitäten ist seine Schrift Über die Ruderboote, in der er sich kritisch mit den Eigenschaften der Ruder-Achter im Berliner Jakob-Kaiser-Haus auseinandersetzt.
Mierscheid zeichnet sich zudem dadurch aus, dass er zu den wenigen politischen Mandatsträgern gehört, die noch die Sütterlinschrift beherrschen und – erkennbar an seiner Unterschrift – auch anwenden.
Der fiktive Abgeordnete erhielt vom damaligen SPD-Fraktionschef Franz Müntefering eine Abmahnung, nachdem er Ulla Schmidt als Unwort des Jahres vorgeschlagen hatte.
Mierscheids Privatleben wird nicht klar kommuniziert, in einem Zeitungstext jedoch wird er als vierfacher Vater ausgegeben.
Am 11. Dezember 2004 konnte Mierscheid sein 25. Jubiläum als Abgeordneter feiern.
Laut Informationen der Tagesschau trat Mierscheid im Juli 2005 überraschend aus der SPD aus. Er strebe eine zweite Karriere in dem geplanten Linksbündnis aus Linkspartei.PDS und WASG an. Kurz nach ihrer Veröffentlichung ließ Mierscheid diese Meldung allerdings durch die SPD-Fraktion wieder dementieren. Persönlich nahm er in einem Interview bei Spiegel Online Stellung.
In der 16. Wahlperiode des Bundestages war Mierscheid zunächst nicht in den Reihen der Abgeordneten zu finden. Mittlerweile steht der Nachrücker aber wieder in der Liste der MdB. Mierscheid erläuterte dies in einem offenen Brief. Offensichtlich hat sich der stets sorgfältige und bedächtige Mierscheid vorbehalten, erst jenseits des Feststehens des amtlichen Endergebnisses auf der Bundestagsseite aufgeführt zu werden. Das ist seiner Integrität und Glaubwürdigkeit nur zuträglich. Kurioserweise tauchte anstatt Mierscheids ein echter Abgeordneter namens Miersch auf. Daraufhin wurde die Frage gestellt, ob Mierscheid seinen Eid abgelegt hätte. Im 17. Bundestag ist Mierscheid ebenfalls vertreten. Er wandte sich bereits an die neuen Fraktionskollegen und zitierte dabei unter anderem aus dem Gedicht Ulysses von Lord Tennyson.
Seit Juli 2007 sind die Nebeneinkünfte aller Politiker des Bundestages öffentlich einsehbar. Herr Mierscheid wird in dieser Liste nicht aufgeführt. Sein Kommentar dazu: „Ich bin halt kein Angeber.“ Dennoch ist er inzwischen als Blogger sowie bei Twitter aktiv.

Jakob-Mierscheid-Steg
Der Mierscheid-Steg zwischen Elisabeth-Lüders-Haus und Paul-Löbe-HausAm 1. April 2004 wurde eine Brücke über die Spree nach Mierscheid benannt. Die Brücke verbindet die zwei Bundestagsgebäude Paul-Löbe-Haus und Marie-Elisabeth-Lüders-Haus am Spreebogen in der sechsten Etage und ist nur aus dem Inneren der Häuser zugänglich. Mierscheid selbst wurde von Dietrich Sperling (SPD) vertreten. Sperling war Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesbauministerium und ist Mitverfasser einer „Mierscheid-Holografie“.
Ein Schild Jakob-Mierscheid-Steg konnte an der Brücke nur vorübergehend angebracht werden. Bei der Befestigung hatten sich unerwartete Probleme ergeben: „Die Bolzen, die wir hatten, erwiesen sich als Nieten“, sagte Sperling. Trotz der widrigen Umstände der Brückentaufe – wie leicht erkennbar als Aprilscherz angelegt – fand sich die Bezeichnung Jakob-Mierscheid-Steg bereits im Jahr 2005 auf einem vom Falk-Verlag vertriebenen Stadtplan Berlins wieder.